Röster des Monats: Murnauer

Thomas Eckel setzt neben seiner persönlichen Leidenschaft für Kaffee

besonders auf professionelles Kaffee-Knowhow. 2006 entschied er sich für eine Ausbildung am „Institut für Kaffee-Experten“ in Wien. Nach gut einem Jahr erhielt Thomas Eckel das international anerkannte Zertifikat des Chef-Diplom-Kaffeesommeliers und des Röstmeisters. Der Kaffeeeliebhaber ist der erste Q-Grader Deutschlands und kann und darf damit die weltbesten Kaffees bewerten. 2015 wurde er mit den Titeln „Röster des Jahres 2015″ und dem Bayerischen Mittelstandspreis der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet.

Das Interview mit Thomas Eckel:

Thomas Eckel Murnauer

  • Was hat einst Ihre Liebe zum Kaffee bzw. dem Kaffeerösten geweckt?

“Während meiner Studienzeit war ich u.a. auf Hawaii. Dort habe ich zum ersten Mal im Leben wirklich guten Kaffee getrunken. Diese Qualität habe ich zuhause nirgends mehr gefunden, so wurde ich kurzerhand wieder zum Teetrinker. Das Genusserlebnis auf Hawaii war aber so unbeschreiblich, ich konnte es nicht vergessen. Durch einen Zufall kam ich dann an guten Kaffee aus Kolumbien. Und von da hatte mich das Kaffeefieber fest im Griff. Ich wollte mehr wissen. Wo kommt Kaffee her, wie entstehen die Aromen etc. Ich machte erst eine Ausbildung zum Kaffee-Sommelier und dann zum Q-Grader, eine Art Kaffee-Gutachter, und dann tat ich den Schritt in die Selbständigkeit.”

 

  • Können Sie sich noch an Ihre ersten Röst-Erlebnisse erinnern? Erzählen Sie uns davon?

“Da gibt es kein konkretes Erlebnis, der gesamte Beginn ist unvergesslich für mich. Anfangs habe ich an allen Fronten gearbeitet. Ich weiß noch gut, wie ich vor zehn Jahren jeden Morgen um 5 Uhr am Röster stand und selbst alle Chargen geröstet habe. Der Kaffee musste natürlich auch verpackt und versandt werden, dann war da noch der Außendienst, und hinter der Theke stand ich auch jeden Tag. Das war mitunter schon eine anstrengende Zeit, die ich aber um nichts in der Welt missen möchte. Mittlerweile habe ich ein Team von guten Röstern, mit denen ich meine Leidenschaft teile. Ich genieße es trotzdem immer wieder, selbst am Röster zu stehen und dabei zu sein, wenn sich die Kaffeebohnen in unzählige duftende Kostbarkeiten verwandeln.”

 

 

  • Wie wählen Sie neue Bohnen (und/oder neue Anbaugebiete) für Ihre Röstungen aus?

“Zu einem Teil verfolgen wir den Ansatz von Direct Trade. Das bedeutet, dass wir Kaffee direkt von Kaffeebauern bzw. Kaffeekooperativen beziehen, ohne Zwischenhändler. Dazu gehen wir direkt zu den Produzenten auf die Fincas, lernen sie, ihre Kooperativen und ihre Familien persönlich kennen und knüpfen vertrauensvolle Bande. Wir überzeugen uns selbst von der Qualität, den Anbaumethoden und davon, wie das Geld der Gemeinschaft zugutekommt.

Mein Ziel ist es, Direct Trade irgendwann für all meine Kaffees zu praktizieren. Wo dieser zeitaufwendige Ansatz noch nicht möglich ist, greifen wir auf vertrauensvolle Kaffeehändler zurück, die unsere Philosophie von fairem Kaffee teilen. Zum anderen bekommen wir von all diesen Partnern immer wieder Musterproben neuer Kaffees, die wir verkosten.

Ob ein Kaffee in unser Sortiment kommt, hängt von seiner Qualität ab. Wir bestehen auf Bio-Qualität. Gute Bohnen haben außerdem einen bestimmten Feuchtigkeitsgehalt. Bei guter Feuchtigkeit kann man vielseitiger rösten, wodurch das Aromenprofil einer Bohne reicher sein kann. Kurz: die Bohne muss das Potenzial zu etwas Besonderem haben, anders sein als „normale“ Bohnen, z.B. mit Aromen wie Feige oder Jasminblüten.”

 

  • Was bedeutet biologischer und nachhaltiger Kaffee für Sie? Welche Bio- oder Fair-Trade Sorten empfehlen Sie unseren KundInnen?

“Nachhaltigkeit umfasst in meinen Augen viele Aspekte. Es beginnt schon beim Anbau. Eine intakte Natur ist das A und O für nachhaltigen Kaffee, deshalb ist ein biologischer Anbau unverhandelbar für mich. Wenn eine Finca das Bio-Siegel führt, ist das eine gute Sache. Ich bestehe allerdings nicht darauf. Mit einem Siegel sind Kosten verbunden, die sich v.a. kleinere Hersteller nicht leisten können, obwohl sie ihr Leben lang schon nach Bio-Maßstäben anbauen.

Genauso ist das beim Siegel Fair-Trade, dessen Lizenzen immer wieder erkauft werden müssen. Ich bezahle den Herstellern gerne einen guten Preis, unabhängig von Siegel oder Börsenpreis. Die gute Arbeit der Farmer ist es mir wert. Da bekomme ich nicht nur guten Kaffee, sondern unterstütze Hersteller, die auch ohne Siegel beste Arbeit leisten. Vertrauen, Respekt und Wertschätzung entgegenzubringen, das gehört für mich auch zu Nachhaltigkeit. Meine Empfehlung für Kunden lautet also: Sie können bei uns getrost alle Kaffees mit gutem Gewissen genießen.”

 

  • Welche Tipps können Sie für spannende Kaffeereisen geben? Welche Farm/Finca oder welches Land eignet sich besonders gut, um dort eine Kaffee-Führung zu machen?

“Mein Lieblingsland in Sachen Kaffee ist Äthiopien. Dort liegt die Wiege von Arabica-Kaffee. Dieses Land bringt eine unglaubliche Arten- und somit Aromenvielfalt hervor. Eine der berühmten äthiopischen Kaffeezeremonien muss man miterlebt haben. Daran kommt man übrigens nicht vorbei. Die Menschen dort sind so herzlich und laden Wildfremde ein, mit ihnen Kaffee zu trinken. Auch Peru ist ganz wunderbar. Für einen Europäer ist es eine spannende Erfahrung, wenn man drei ganze Tage braucht, um zu einer Finca mitten im Dschungel zu gelangen. Die Natur ist wunderschön und die Menschen dort entschleunigen. Und natürlich bauen sie herausragenden Kaffee an, ähnlich vielfältig wie in Äthiopien.”

 

  • Was machen Sie mit den Bohnen, wenn Sie mal keine Lust auf einen „klassischen Kaffee“ haben?

“Am liebsten trinke ich Filterkaffe. Wenn es mal schnell gehen muss, dann fällt meine Wahl meistens auf einen Americano, im Sommer auch mal auf einen Cascara-Tee auf Eis.”

 

 

 

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