Röster des Monats: Suchan

Die Rösterei Suchan Kaffee wurde 2007 von Peter Affenzeller gegründet. Sie hat sich in dieser Zeit rasch zu einem Spezialisten für edelste Kaffeemischungen und sortenreine Kaffeebohnen entwickelt. Als größte Herausforderung sieht der Röster, das optimale Röstprofil für jede Bohne zu finden. Dabei entführt dich Suchan Kaffee auf eine internationale Reise. Die meisten Sorten tragen nämlich spezielle Städtenamen, die ein gewisses Trinkgefühl vermitteln.

 

Peter Affenzeller mit seinen Bohnen

Das Interview mit Dagmar Affenzeller:

 

  • Was hat einst Ihre Liebe zum Kaffee bzw. dem Kaffeerösten geweckt?

“Wir sind immer gerne gereist! Oft haben wir uns folgendes gefragt. “Warum gibt es in vielen italienischen Bars oder Restaurants oft einen guten Espresso , der in Wiener Traditionscafés einfach nicht schmeckt?” Daher haben wir uns entschlossen ein Produkt für den österreichischen Markt zu rösten. wenn österreichische Gastronomen  die Grundlagen der Kaffeezubereitung beachten, können sie ein tolles Kaffeeerlebnis in die Tasse bringen. Das war unsere ursprüngliche Idee.”

 

  • Können Sie sich noch an Ihre ersten Röst-Erlebnisse erinnern? Erzählen Sie uns davon?

“Meine ersten Röstungen auf unserem damaligen Röster, einem Probatone LG12 aus den frühen 1960er Jahren habe ich als sehr stressig in Erinnerung. Bis dahin hatte ich nur auf Probenröstern geröstet, was natürlich nur sehr bedingt vergleichbar ist. Das Ding in den Griff zu bekommen, hat uns einige Versuchs-Bohnen gekostet, zumal 2007 Röst-Know-How in Form von Blogs, Ausbildungen und sonstiger Literatur noch bei weitem nicht in diesem Ausmaß verfügbar war, wie es das heute ist.

 

Im Laufe der ersten Jahre habe ich auf unserem ersten Röster ca. 11.000 Chargen geröstet. Ohne aufgezeichnete Temperaturprofile, ohne regelbare Brenner-Leistung, mit seinen zahlreichen Eigenheiten war mir dieser Probatone ein sehr guter Lehrmeister, der Unachtsamkeit nicht verziehen hat und mich dazu gezwungen hat, sehr genau wahrzunehmen, was während der Röstung mit den Bohnen passiert. Davon profitiere ich – und wie ich hoffe, auch die Qualität unseres Kaffees – noch heute.”

 

 

  • Wie wählen Sie neue Bohnen (und/oder neue Anbaugebiete) für Ihre Röstungen aus?

“Wir haben einen sehr hohen Qualitätsanspruch, den jede unserer Sorten erfüllen muss und einen hohen Nachhaltigkeitsanspruch. Zudem versuchen wir bei unseren Bohnen beide Punkte zu bedienen . Wir sind daher immer auf der Suche nach neuen direct Trade Partnern. Es ist schwierig, im Kaffeeanbau biologisch und fair zu arbeiten. Deshalb sprechen wir immer wieder mit unseren Partnern über die Bedingungen vor Ort. Wir freuen uns über jeden Fortschritt der durch unsere Partnerschaft vor Ort erzielt werden kann.”

 

  • Was bedeutet biologischer und nachhaltiger Kaffee für Sie? Welche Bio- oder Fair-Trade Sorten empfehlen Sie unseren KundInnen?

“Wir Konsumenten sollten hier aufhören, Landwirtschaftliche Produktion zu romantisch zu sehen. Ein bisschen Realitätssinn schadet bei allen Lebensmitteln – nicht nur beim Kaffee – nicht. Einfach einmal darüber nachdenken, wie schwierig es ist, im eigenen Garten nachhaltig und auch produktiv zu arbeiten, dann kann man sich vorstellen, wie schwierig es erst ist, wenn man mit landwirtschaftlichen Produkten wirtschaftlich überleben muss, und das in den Tropen, mit relativ schwierigen klimatischen Verhältnissen.

Wenn biologische, faire Landwirtschaft ernst genommen werden soll, dann muss man vermehrt auf den Einsatz von alternativen Schädlingsbekämpfungsmitteln, wie bestimmte Mikroorganismen als Gegenspieler zu Schädlingen, auf Vielfalt in der Planzen-Landschaft und ein gerechtes Verhältnis zwischen Produktivität und Preis setzen, der die Landwirte nicht unnötig unter Druck setzt. Dann würde es viel mehr ökologisch verträgliche Landwirtschaft geben.

Wenn man den Produzenten Alternativen in der Produktion anbietet uns sie vor Ort unterstützt und ihnen finanzielle Sicherheit durch Abnahmegarantien gibt, nähern wir uns nach und nach dem, was wir unter fairen Bedingungen verstehen. Faire Bezahlung für die Produzenten gibt es dann, wenn möglichst wenig Zwischenhändler daran verdienen sollen, keine großen Marketingapparate bezahlt werden müssen und jeder in der Kette bereit ist, einen realistisch, fairen Preis zu bezahlen.

 

Diese Grundsätze sind uns in der Beziehung mit unseren Lieferanten wichtig. Auch wenn wir einen Teil unseres Rohkaffees noch immer über arrivierte Händler einkaufen müssen, so arbeiten wir hart daran, noch mehr vertrauensvolle Beziehungen zu Produzenten aufzubauen, bei denen wir direkt einkaufen können”

 

  • Welche Tipps können Sie für spannende Kaffeereisen geben? Welche Farm/Finca oder welches Land eignet sich besonders gut, um dort eine Kaffee-Führung zu machen?

“Grundsätzlich würde ich hier eher dazu raten organisierte Kaffeereisen zu buchen, die man bei verschiedenen Anbietern finden kann; hierzu empfehle ich eine Recherche im Internet. Natürlich kann man, wenn man im Individualreisen in Tropenländern auch auf eigene Faust Kaffeeproduzenten in den Ländern aufsuchen. Viele kleine Fincas in Mittel- und Südamerika bessern sich Ihr Einkommen mit Zimmervermietung auf, hierzu muss man aber wohl auch den Weg über das www. suchen. Unsere direct Trade Partner sind jedoch nicht auf klassischen Tourismus eingestellt, die leben ausschließlich von Landwirtschaft und bieten solche Reisen ausschließlich für Röster an um sich vor Ort ein Bild über die jeweiligen Qualitäten und Anbaubedingungen zu machen. ”

 

  • Was machen Sie mit den Bohnen, wenn Sie mal keine Lust auf einen „klassischen Kaffee“ haben?

“Nun ja, klassischer Kaffee ist ein weitläufiger Begriff. Wir trinken gerne Espresso, manchmal mit aufgeschäumter, sehr guter Milch oder auch Verlängert. Zum Verkosten aber ausschließlich Filterkaffee und wenn die Espressomaschine einmal streikt auch gerne einen mit der Aero Press zubereiteten Kaffee. Grundsätzlich kann man mit Aero Press, French Press oder Handfilter nicht so viel falsch machen im Gegensatz zur Zubereitung in der Espressomaschine, vorausgesetzt die Bohnen sind von bester Qualität und die Mahlung stimmt.”

 

 

 

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